
Aktuelle Ergebnisse der Freizeitforschung zeigen, dass Besucher heute mit einer hohen Erwartungshaltung in einen Zoo kommen. Sie wollen Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum betrachten und erwarten ein authentisches Erlebnis. Dazu gehören überraschende Momente oder ungewöhnliche Perspektiven genauso wie die thematische Verknüpfung mit didaktischen Lern- und Spielmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche oder die Integration von Gastronomie und passenden Merchandisingprodukten. Jedes authentische Erlebnis lässt den Besucher eine emotionale Bindung zum Tier und somit zum Zoo aufbauen, woraufhin er gerne in „seinen Zoo“ zurückkommt.
Um den Besuch im Erlebnis-Zoo Hannover so authentisch wie möglich zu gestalten, inszenieren die Berliner Architekten von dan pearlman eine durchdachte Themenwelt, die all diese Faktoren berücksichtigen soll. In Yukon Bay werden dem Besucher Zootiere ohne sichtbare Gräben und Absperrgitter nahegebracht. Zu verschiedenen Bereichen innerhalb der Themenwelt gelangt er über Tunnel, Höhlen und verschlungene Pfade. Auf insgesamt 25.000 Quadratmetern entsteht ein neuer Lebensraum für Tiere der nordischen Tundra. Auf seiner Expedition soll der Besucher Bisons, Wölfe, Präriehunde und Karibus entdecken können, bis er schließlich zum kleinen Hafenstädtchen an der Flussmündung des Yukon gelangt. Attraktion dort ist der „nördlichste Pinguinzoo der Welt“.
Nach sieben Jahren Planungsarbeit in enger Zusammenarbeit mit dem Bauherrn, dem Erlebnis-Zoo Hannover, wird, basierend auf einem übergreifenden Masterplan und mit einem Projektbudget von 32 Millionen Euro, aus einer Geschichte Realität. Baubeginn war im Januar 2008. Im April 2010 wird Yukon Bay für die Besucher geöffnet.
Laut Kieran Stanley, Geschäftsführer und Gründer dan pearlman erlebnisarchitektur GmbH, ist ein authentisches Erlebnis das Ergebnis einer integrativen und ganzheitlichen Projektplanung. Unsere Projekte erzählen immer eine Geschichte. Denn: Eine gut erzählte Geschichte ist einprägsam, schafft Loyalität und somit Nachhaltigkeit.
Wo liegen für Sie die besonderen organisatorischen Herausforderungen beim Projekt Yukon Bay?
Die Herausforderungen bei Yukon Bay sind zahlreich: Während einer kurzen Planungs- und Bauzeit, in der unter Beachtung Europäischen Rechts Aufträge ausgeschrieben werden mussten, entstand eine komplexe und ineinander verschachtelte Landschaft mit zahlreichen technischen Einrichtungen und barrierefrei zugänglichen Attraktionen. Neben der Notwendigkeit, bestehende Bausubstanz in das Projekt einzubeziehen, sollte der Zoo zudem auch während der Bauphase für die Besucher geöffnet bleiben. Die größte Attraktion von Yukon Bay stellt gleichzeitig die größte planerische Herausforderung dar: das gestrandete Schiff. Hierfür wird ein später durch die Besucher begehbarer Schiffskörper in einem Wasserbecken eingegliedert. Das Schiff selbst beruht auf einer konsequent umgesetzten historischen Rekonstruktion. Mit Abmaßen von 33 x 13 Metern wird es aus rund 950 Tonnen Stahl gebaut. Wegen des entstehenden Wasserdrucks und der integrierten Wellentechnik sind bis zu zehn Zentimeter starke Glasscheiben notwendig. Für den Besucher ermöglicht diese Konstruktion Unter- und Überwassereinblicke in das Eisbär-, Seebär- und Pinguinbecken.
Welche Gründe sprechen für den Einsatz einer internetbasierten Projektplattform, und warum haben Sie sich für think project! entschieden?
Aufgrund der Größe des Projekts, der veranschlagten Bauzeit von nur zwei Jahren und der vielen Unternehmen, die an der Umsetzung beteiligt sind, ist der Einsatz einer internetbasierten Projektplattform absolut erforderlich. Mit think project! haben wir eine verlässliche Plattform gewählt, die uns hilft, die Flut von Plänen, Dokumenten, Aufgaben, Daten und E-Mails sinnvoll zu managen, zu archivieren und für alle Planungspartner zugänglich zu machen. Ein effektives Datenmanagement ermöglicht uns einen schnellen und dokumentierten Austausch mit dem Bauherrn, den Firmen vor Ort in Hannover und unserem Architekturbüro in Berlin. So wird Planungssicherheit und damit zugleich Rechtssicherheit geschaffen.
Herr Stanley, inwieweit unterscheidet sich der Bau einer Themenwelt für einen Zoo von anderen Bauprojekten?
Ein Zoobauprojekt birgt im Vergleich zu anderen Architekturprojekten eine Vielzahl unterschiedlicher Herausforderungen. So gilt es beispielsweise stets die Interessen von Zoologen, Biologen und die Bedürfnisse der Zootiere einerseits mit den Interessen der Besucher und den betriebswirtschaftlichen Überlegungen des Zoobetreibers andererseits auszugleichen. Deshalb muss jede Planung die neuesten Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft zu moderner Zootierhaltung und Freizeittechnologie berücksichtigen. dan pearlman arbeitet bei der Entwicklung der Pläne seit Jahren eng mit dem Team des Erlebniszoos zusammen und stellt so die Integration der zoointernen Kompetenz sicher.
Die Besonderheit bei der Planung eines Erlebniszoos ist der ganzheitliche, integrative Ansatz bei der Schaffung von Themen- und Erlebniswelten. Eine ausgezeichnet konzipierte Themenwelt erlaubt dem Besucher, vollständig in die Welt der Zootiere einzutauchen – sei es auch nur für kurze Zeit. Dieses authentische Erlebnis ist das Ergebnis einer umfassenden Planung, bei der wir von Beginn an Zoologen, Biologen, Architekten, Landschaftsplaner, Statiker, spezifische Fachplaner, Ingenieure und Bodengutachter mit einbeziehen. Als Generalplaner tragen wir die Verantwortung für die Koordination aller Experten und garantieren so, dass sich die Expertise aller Beteiligten optimal in der fertigen Themenwelt widerspiegelt. Insbesondere gegenüber dem Bauherrn findet ein echtes Qualitätscontrolling statt. Denn dieser wird nur mit den besten Ergebnissen der gestalterischen und technischen Planung konfrontiert. Dieser integrative, ganzheitliche Ansatz bringt wirklich authentische Themenwelten hervor und ist nicht nur das Markenzeichen von dan pearlman, sondern hat den Zoo Hannover mit zukunftsweisender Tierhaltung zum Marktführer bei Erlebnis- und Freizeitangeboten in Europa gemacht.